Handgepäck Flug mit Kleinkind: was wirklich rein muss

Kurz gesagt

Es gibt kein perfektes Set, das für alle passt. Entscheidend ist, was zu euch, eurer Flugdauer und eurem Kind passt. Auf einem Kurzstreckenflug reicht oft weniger als gedacht. Auf einem Mittelstreckenflug hilft ein Spielzeug pro Stunde Wachzeit als grobe Orientierung – Essen, Snackpausen und allgemeine Erkundungen im Flugzeug, wie Toilettengänge, sind da schon mit eingerechnet. Auf einem Langstreckenflug entscheidet vor allem der Schlaf. Snacks, Getränke, Feuchttücher und Wechselkleidung gehören immer rein.

Es gibt keine perfekte Handgepäck-Liste für den Flug mit Kleinkind. Es gibt nur die Liste, die zu euch und eurem Flug passt.

Das ist uns aufgefallen, nachdem wir schon Kurz-, Mittel- und Langstrecke hinter uns hatten. Vorher haben wir Listen aus dem Internet abgehakt. Trotzdem hatten wir Dinge dabei, die wir nie gebraucht haben. Und andere Dinge haben gefehlt, die wirklich wichtig gewesen wären.

Was uns geholfen hat: das Handgepäck nicht als starre Packliste zu sehen. Sondern an drei Dinge anzupassen. Wie lange der Flug dauert. Ob und wie lange es in etwa schlafen wird beziehungsweise soll. Wie alt es gerade ist. Grundsätzliche Fragen rund ums Fliegen mit Kleinkind haben wir bereits in unserem Artikel Fliegen mit Baby oder Kleinkind Fliegen mit Baby oder Kleinkind – was ist eigentlich einfacher? beantwortet.

Gepackter Handgepäck Kleinkind Flug Rucksack mit Organizer-System

Entscheidungsfaktoren

Das Basis-Set, das ihr immer dabei haben solltet

Manche Dinge gehören unabhängig von Flugdauer und Alter ins Handgepäck. Wenn sie fehlen, merkt ihr das sofort.

Snacks und etwas zu trinken sind das Wichtigste. Sie helfen nicht nur gegen Hunger, sondern auch beim Druckausgleich in den Ohren. Besser ist es, wenn der Sinkflug schon etwas fortgeschritten ist. Der Druckausgleich beginnt nämlich schon ganz am Anfang des Sinkflugs, oft bevor man selbst merkt, dass es bergab geht. Bietet Snacks und Trinken deshalb schon beim Sinkflug an, nicht erst kurz vor der Landung.

Bei uns hat sich das einmal deutlich gezeigt: Unser Kind ist beim Sinkflug eingeschlafen, wir waren froh darüber. Bei der Landung hat es dann geschrien und ließ sich lange nicht beruhigen. Im Nachhinein haben wir gelesen, dass der Druckausgleich im Schlaf schlechter funktioniert und es beim Landen dann richtig wehtun kann. Weckt euer Kind lieber rechtzeitig, auch wenn es schwerfällt.

Beim Start ist es andersherum. Wartet mit dem Anbieten möglichst nicht zu früh, damit dem Kind nicht ausgerechnet im kritischsten Moment, wenn das Flugzeug wirklich abhebt, die Lust oder der Durst fehlt. Für den Notfall habt ihr dann noch ein Quetschie oder einen Lolli in der Hinterhand, die könnt ihr euch aber besser aufsparen. Manchmal steht ihr nämlich noch eine ganze Weile auf der Startbahn, bevor es wirklich losgeht.

Getränke helfen genauso. Babymilch, Wasser für Milchflaschen oder Kindergetränke sind bei der Sicherheitskontrolle von der 100-ml-Regel ausgenommen, wenn sie für die Reise gebraucht werden. Wenn die Kontrolle euch bittet, kurz davon zu trinken, ist das normal und kein Grund zur Sorge. Die genauen Bestimmungen dazu findet ihr auch offiziell auf der Lufthansa-Seite zum Handgepäck.

Feuchttücher braucht ihr öfter, als ihr denkt. Verschüttetes Essen, klebrige Hände, kleine Missgeschicke. Inzwischen haben wir sie sogar dabei, wenn wir ganz ohne Kind unterwegs sind, einfach um Gesicht oder Nacken beim Fliegen kurz aufzufrischen.

Ein komplettes Wechseloutfit gehört ebenfalls immer rein. Wenn ein Getränk kippt oder eine Windel überläuft, seid ihr sonst für den Rest des Fluges aufgeschmissen. Verstaut es in einem Packing Cube oder Vakuumbeutel und packt es ganz unten in die Tasche. Ihr braucht es ja wirklich nur, wenn etwas passiert, und es nimmt dabei kaum Platz weg. Bei Kleinkindern packen wir zusätzlich eine Notwindel ein, auf Langstrecke auch ein Paar warme Socken.

Flugdauer entscheidet über die Beschäftigung

Wie viel Spielzeug und Ablenkung ihr braucht, hängt fast vollständig von der Flugdauer ab. Wenn ihr das nicht beachtet, packt ihr entweder zu viel oder zu wenig ein.

Auf Kurzstrecke, bis etwa drei Stunden, braucht ihr weniger, als ihr denkt. Start, Snacks und Landung nehmen schon einen großen Teil der Zeit weg. Ein kleines Buch oder Stickerheft reicht meistens aus, genauso etwas Motorisches, das zum Alter passt, zum Beispiel ein magnetisches Puzzle für Dreijährige. Ihr kennt euer Kind am besten. Überlegt euch, welche Art von Beschäftigung es wirklich mag, und nicht nur für fünf Minuten hält. Wie sich das Alter des Kindes konkret auf einen entspannten Flug auswirkt, haben wir separat in Fliegen mit 3-jährigem Kind – wann es wirklich entspannt ist und wann nicht Fliegen mit 3-jährigem Kind – wann es wirklich entspannt ist (und wann nicht) aufgeschrieben.

Auf Mittelstrecke, zwischen vier und sechs Stunden, braucht das Kind spürbar mehr. Als grobe Orientierung könnt ihr mit einem Spielzeug pro Stunde Wachzeit rechnen. Essen, Snackpausen und die Zeit, die durch Toilettengänge oder Herumlaufen im Gang von selbst vergeht, sind da schon mit eingerechnet.

Ein Trick, der uns dabei geholfen hat: Wir haben eine Schublade, an die unser Kind im Alltag nicht rankommt. Darin sind Dinge, die wir immer für Reisen mit dem Auto, Zug oder Flugzeug mitnehmen, und von denen wir wissen, dass unser Kind diese Art von Beschäftigung gerne mag, zum Beispiel Stickerhefte. Je nach Reise und Alter kommt auch mal etwas Neues dazu, und Dinge, die nicht mehr spannend sind, werden ganz weggepackt. Wenn die Schublade dann vor dem Flug ausgepackt wird, wirkt selbst das Bekannte wieder neu, weil es zwischen den Reisen nicht zu sehen war.

Kleinkind mit Beschäftigung für den Handgepäck Kleinkind Flug

Bei uns haben Tiptoi, magnetische Spiele, Stickerhefte und kleine Bastelsets gut funktioniert. Kindgerechte, in der Lautstärke begrenzte Kopfhörer für Hörbücher hatten wir immer dabei.

Bei einem Langstreckenflug wird das Thema Schlaf als limitierender oder vorteilhafter Faktor noch relevanter, vor allem bei einem Nachtflug oder wenn euer Kind tagsüber sonst einen langen Mittagsschlaf oder mehrere kürzere Schläfchen macht. Wenn ihr trotzdem viel Spielzeug einpackt, aber der Schlaf nicht klappt, habt ihr am Ende beides nicht gelöst. Für die letzte Stunde, die oft die schwierigste ist, hilft am besten ein Tablet oder Handy mit vorher heruntergeladener Lieblingsserie, passend zum Alter. Bei uns hat sich gezeigt, dass das Bordprogramm für Zwei- bis Dreijährige selten etwas Geeignetes hergibt.

Schlaf-Setup für Nachtflüge

Wenn ihr bei einer Langstrecke bewusst einen Nachtflug bucht, damit das Kind schläft, lohnt es sich, den Sitzbereich möglichst ähnlich wie zuhause zu gestalten. Schmuse- oder Lieblingsdecke, Kuscheltier, Ersatzschnuller und ein dünnes Kopfkissen gehören dafür ins Handgepäck. Ein dunkles Tuch über dem Sitzbereich kann zusätzlich helfen.

Eine aufblasbare Fußstütze klingt hier nach der perfekten Ergänzung, weil sie die Lücke zwischen Vorder- und Hintersitz überbrückt und aus dem Sitzbereich eine kleine Liegefläche macht. Bei den meisten großen Airlines, darunter Lufthansa, Eurowings, Condor und Austrian, ist ihre Nutzung an Bord aber offiziell verboten. Der Grund ist Sicherheit: Der Fußraum muss im Notfall für eine schnelle Evakuierung frei bleiben. Wenn ihr eine mitnehmt, pustet sie am besten erst kurz vor der eigentlichen Nutzung auf, nicht schon direkt nach dem Abflug. Dann fällt es weniger auf, wenn später nicht mehr so genau hingeschaut wird.

Ob es am Ende durchgewunken wird oder nicht, entscheidet die Crew an dem Tag. Verlasst euch nicht darauf, dass es klappt, nur weil es beim letzten Flug ging.

Realitätscheck

Auf dem Hinflug hat unser Kind, damals zwei Jahre alt, fast die ganze Nacht durchgeschlafen. Wir hatten ihm ein kleines Bett gebaut. Sein eigenes Kopfkissen von zuhause, eine aufgeblasene Fußstütze zwischen Vorder- und Hintersitz, eine große Decke drüber, damit kein Licht reinkommt. Wir hatten Glück und einen eigenen freien Sitz daneben, dadurch konnte ich sogar selbst schlafen.

Auf dem Rückflug hat eine Stewardess gesehen, wie ich die Fußstütze aufgepustet habe. Sie hat es nicht erlaubt. Der Rückflug wurde dadurch zu einer sehr schlechten Nacht. Unser Kind ist ein unruhiger Schläfer, ich musste die ganze Zeit aufpassen, dass er nicht vom Sitz fällt. Ein Provisorium aus Rucksack und Decken haben wir noch versucht, es hat nicht annähernd so gut funktioniert wie das Setup vom Hinflug. Seid also in dem Fall auf einen Plan B vorbereitet. Die Regel ist bei den meisten Airlines dieselbe, nur die Kontrolle war unterschiedlich streng. Beim Hinflug hat es niemand bemerkt. Beim Rückflug schon.

Fußstütze ja oder nein?

Aufblasbare Fußstütze fürs Schlaf-Setup: Ja, wenn ihr euch vorher bei der Airline informiert und einen Plan B im Kopf habt. Nein, wenn ihr euch allein darauf verlasst, dass es klappt.

Fazit

Handgepäck Kleinkind Flug heißt nicht, möglichst viel einzupacken, sondern das Richtige. Das beste Handgepäck ist nicht das vollständigste, sondern das, was zu eurem Flug passt. Snacks, Getränke, Feuchttücher und Wechselkleidung gehören immer rein, den Rest entscheidet ihr über Flugdauer, Schlafbedarf und euer Kind. Wer sich zusätzlich auf Extras wie eine Fußstütze verlässt, sollte einen Plan B haben. Am Ende zählt nicht, wie viel ihr eingepackt habt, sondern ob ihr im richtigen Moment das Richtige griffbereit habt.

Checkliste: Handgepäck Kleinkind Flug

Wenn ihr das Handgepäck möglichst einfach halten wollt, reicht das:

  • Snacks für Start und Landung
  • Getränk
  • Feuchttücher
  • Wechselkleidung
  • wenige, altersgerechte Beschäftigungen

Mehr braucht es auf vielen Flügen tatsächlich nicht.

Kleinkind schaut aus dem Flugzeugfenster – Handgepäck Kleinkind Flug

FAQ

Was passiert mit dem Buggy am Flughafen?

Beim Check-in bekommt der Buggy meist ein Sperrgepäck-Label. Danach könnt ihr ihn in der Regel bis zum Gate oder sogar bis zum Flugzeug nutzen, abgegeben wird er direkt beim Einsteigen. Bei der Ankunft bekommt ihr ihn entweder direkt am Flugzeug zurück oder am Sperrgepäckband. Fragt im Zweifel kurz die Crew.

Dürfen Babynahrung und Getränke trotz Flüssigkeitsregel mit ins Handgepäck?

Ja. Babymilch, Wasser für Milchflaschen, Kindergetränke und Quetschies sind von der 100-ml-Regel ausgenommen, wenn sie für die Reise gebraucht werden. Bei der Kontrolle kann es sein, dass ihr gebeten werdet, kurz davon zu trinken. Das ist normal.

Wie organisiert ihr das Handgepäck, damit ihr im Flugzeug nicht sucht?

Wir nutzen einen Rucksack mit vielen Fächern oder Packing Cubes, jedes mit fester Zuordnung. Spielzeug hier, Snacks dort, Flasche und Quetschies an einem Platz, Pyjama und Notkleidung an einem anderen, Kopfhörer wieder woanders. Wenn alles seinen festen Ort hat, müsst ihr im Flugzeug nicht kramen, sondern nur greifen.

Bekommt mein Kind ein eigenes Handgepäckstück?

Das hängt weniger von der Airline ab als davon, ob euer Kind einen eigenen Sitzplatz hat. Mit eigenem Sitz bekommt es meist dasselbe Kontingent wie ihr. Fliegt es auf eurem Schoß, ist ein zusätzliches Gepäckstück oft nur gegen Gebühr oder in höheren Tarifen inklusive, bei manchen Airlines gar nicht vorgesehen. Prüft das am besten direkt bei der Buchung, die Angaben ändern sich häufiger, als man denkt. Wer sich unterwegs zusätzlich auf mitgebrachte Medikamente verlassen möchte, findet mehr dazu in unserem Artikel Reiseapotheke Kleinkind Wie groß muss die Reiseapotheke für Kleinkinder wirklich sein?.

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